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Erinnerungen

Zur Erinnerung an Madeleine Danioth

Am 8. März verstarb in Luzern Madeleine Danioth im Alter von 86 Jahren. Sie war das letzte noch lebende Kind des Malers und Dichters Heinrich Danioth und Hedi Weber. Auf dem Bild sind zu sehen: Madeleine (links) und Cilli Danioth 2013 während der Dreharbeiten zu Danioth - der Teufelsmaler im Garten des Atelierhauses von Heinrich Danioth in Flüelen.

(Foto: Mesch & Ugge AG, Zürich)

Madeleine und Cilly waren der Dätwyler Stiftung stets sehr verbunden – nun sind beide nicht mehr da – ein Moment zum Innehalten und mit Dankbarkeit auf die gemeinsame Zeit zu blicken. Ihre Arbeit bei uns mit dem digitalen Erfassen der Sammlung der Stiftung ist allgegenwärtig und immer wieder stossen wir auf Einträge oder Schätzungen von den beiden – Spuren, die bleiben werden.

Der Urner Filmemacher Felice Zenoni erinnert sich an sie.

«Als ich mich vor fünfzehn Jahren an die Arbeit für den Kinofilm «Danioth - der Teufelsmaler» machte, waren Madeleine und Cilli Danioth, die Töchter von Heinrich Danioth und Hedi Weber, meine ersten Anlaufstellen. Schnell merkte ich, dass sich die Schwestern blind vertrauten und derartige Anfragen nur gemeinsam entschieden. Die Kindheit am See im Atelierhaus in Flüelen hat beide fürs Leben geprägt; sie hielt einen bunten Strauss an Ereignissen bereit, der von hell bis dunkel, von Glück bis Entbehrung reichte. In all meinen Begegnungen mit Cilli und Madeleine war dieser Ort stets irgendwie spürbar. Mein Eindruck war, dass die 1940 geborene Madeleine den Stürmen des Lebens besser gewappnet war als ihre nur wenig jüngere, im Jahr 2022 verstorbene Schwester Cilli. Wie sein Vater starb der erstgeborene Albin früh: 1994 im Alter von bloss 58 Jahren. Über die gesamte Entstehungszeit des Films war mir Madeleine eine wichtige Stütze bei den Recherchen. Uneigennützig und mit ehrlichem Interesse stand sie mir zur Seite. Für den Film hatten wir sämtliche verfügbaren handschriftlichen Dokumente von Heinrich Danioth transkribiert. Wo orthografische Zweifel bestanden, wusste Madeleine Rat und entzifferte – Heinrich Danioth schrieb meist mit Bleistift und querformatig – selbst vergilbte oder mehrfach überschriebene und korrigierte Textpassagen mit «Miss-Marple»-haftem Gespür und Geduld.

Das umfangreiche Rom-Tagebuch, das ihr Vater 1920 während eines Studienaufenthalts in der Ewigen Stadt verfasste, transkribierte sie im Alleingang. Mein Kontakt zu Madeleine und inzwischen zur ganzen Familie riss auch nach der Arbeit am Film nicht ab. Mit ihr stand ich bis zuletzt in regelmässigem Austausch. Die präzise Sprache und der lebensbejahende Grundton in ihren Briefen und Mails bescherten einem stets eine Lektüre von Hochgenuss und zeigten, wessen Kind sie war. Immer blitzte darin auch daniothsche Fabulierkunst und Ironie auf. Ende 2025 ermutigte sie mich, einen Artikel über Heinrich Danioths befreundete Künstlerin Erna Schillig zu schreiben, und half wiederum mit persönlichen Erinnerungen bei der Erarbeitung. Wenn sie als Erstleserin ihr Okay gab, wusste ich: Der Text sitzt; so kann ich ihn der Redaktion abgeben. Ihr wacher Geist, ihr junger Kopf, ihre Bescheidenheit und Herzlichkeit werden mir fehlen.»

Felice Zenoni, 19. März 2026 – Zürich/Altdorf